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Schulbibliotheken sichtbar machen

Bibliothek und digitale Information
Forschung

HdM-Studierende erforschen Bildungsorte in Baden-Württemberg

Zwölf Studierende der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM) haben im Rahmen eines studiengangübergreifenden Lehrprojekts Schulbibliotheken in Baden-Württemberg untersucht. Ihre Ergebnisse wurden im Januar 2026 von Landesverband Baden-Württemberg des Deutschen Bibliotheksverbands (dbv) als Projektstudie veröffentlicht und zeigen die zentrale Rolle dieser Bildungsorte sowie die praxisnahe, interdisziplinäre Lehre an der HdM.

Im Sommersemester 2025 besuchten die Studierenden unter der Leitung von Frank Raumel, Lehrbeauftragter an der HdM und ehemaliger Bibliotheksleiter des Medien- und Informationszentrums Stadtbücherei Biberach, insgesamt 13 Schulbibliotheken mit unterschiedlichen Trägermodellen in Baden-Württemberg. Durch Interviews, Datenerhebungen und Vor-Ort-Analysen gewannen sie fundierte Einblicke in Arbeitsprozesse, Nutzungsverhalten und strukturelle Herausforderungen. Die daraus entstandenen Porträts zeichnen ein differenziertes Bild der Schulbibliothekslandschaft im Land und bilden die Bandbreite möglicher Organisationsformen ab – von eigenständigen Schulbibliotheken über Verbundlösungen bis hin zu kombinierten Schul- und Öffentlichen Bibliotheken.

Studierende erforschen Schulbibliotheken in Baden-Württemberg (Foto: dbv, Landesverband Baden-Württemberg)

Interdisziplinäre Lehre als Markenzeichen

Das Projekt ist ein Beispiel für die projektorientierte und interdisziplinäre Arbeitsweise, die die HdM auszeichnet. Studierende aus den Studiengängen Informationswissenschaften, Online-Medien-Management und Informationsdesign arbeiteten gemeinsam an der Studie und brachten ihre jeweiligen fachlichen Perspektiven ein. So verbanden sich bibliothekarische Fachkenntnis, digitale Kommunikation und visuelle Aufbereitung zu einer gemeinsamen Forschungsleistung.
„Dieses studiengangübergreifende Projekt zeigt, wie wir in der Fakultät Information und Kommunikation Lehre verstehen: Unsere Studierenden arbeiten an realen Fragestellungen, übernehmen Verantwortung und erzeugen Ergebnisse, die über den Hörsaal hinaus Wirkung entfalten“, so Prof. Cornelia Vonhof, die das Projekt koordinierte.

Die Studierenden übernahmen den gesamten Prozess von der Konzeption der Erhebung über die Datensammlung und die Interviews bis hin zur redaktionellen Aufbereitung der Porträts. 

Zentrale Ergebnisse

Die Studie macht deutlich, dass Schulbibliotheken weit mehr sind als reine Ausleihstellen. Sie fungieren als multifunktionale Lern- und Begegnungsorte, dienen als Räume für individuelles und gemeinsames Lernen, als Erweiterung des Unterrichts sowie als soziale Treffpunkte im Schulalltag. Darüber hinaus leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Förderung von Lese-, Medien- und Informationskompetenz und unterstützen damit zentrale Bildungsziele in der heutigen Wissensgesellschaft. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung strukturelle Herausforderungen auf: Viele Schulbibliotheken sind in keinem Verzeichnis erfasst und damit für Fördermaßnahmen kaum erreichbar. Es fehlt an gesicherter Finanzierung, ausreichenden Flächen, verlässlichen Öffnungszeiten und Fachpersonal. Auch die politische Zuständigkeit für Schulbibliotheken bedarf einer Klärung.

Relevanz für Bildungspolitik und Ganztag

Die Studie erscheint zu einem bildungspolitisch wichtigen Zeitpunkt. Ab Sommer 2026 müssen Grundschulen den gesetzlichen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung umsetzen. Schulbibliotheken können dabei eine zentrale Rolle einnehmen, etwa im Bereich der Leseförderung und der sinnvollen Freizeitgestaltung. Die Projektstudie liefert der Politik und den Schulen konkrete Hinweise, wie Schulbibliotheken zielgerichtet weiterentwickelt werden können.